Münster:  Der junge Feuerwehrmann steht auf der Drehleiter und versucht, mit dem Wasserstrahl ein Ziel zu treffen. Manchmal gelingt's, manchmal nicht. Alle vier Ziele trifft keiner. Anne Bernhardt von der Jugendfeuerwehr Nieder-Ramstadt hat nach zwei Minuten nur einmal getroffen. Was aber kein Wunder ist, denn den jungen Spritzenleuten sind die Augen verbunden. Wo sie ihr Ziel finden, sagt ihnen jeweils ein Partner.


Nicht nur das Löschen von Flammen, auch das Retten von Menschen zählt zu den Aufgaben der Feuerwehren. So mussten denn auch die jungen Feuerwehrleute bei ihrer »Olympiade« in Münster eine leblose Person aus einem Zelt heraus befördern. Um die Aufgaben praxisnah zu gestalten, wurde die Sicht der Mädchen und Jungen behindert, um einen total verrauchten Raum zu simulieren. Foto: Ulrike Bernauer Die verbundenen Augen sind zwar praxisfern, doch das ist am Samstag der spektakuläre Höhepunkt bei den ersten »Darmstadt-Dieburger Fire Games« im Münsterer Breitefeld. Dort leuchtet der Wald am Samstag eher Rot als Grün, denn 500 Mädchen und Jungen zwischen zehn und 17 Jahren von 46 Jugendwehren sind der Einladung der Kreisjugendfeuerwehr gefolgt.

Die Nachwuchs-Blauröcke müssen an zehn Stationen handwerkliches Geschick und feuerwehrtechnisches Wissen beweisen. »Wir haben sozusagen Olympische Spiele für Jugendfeuerwehrmitglieder gestaltet«, erklärt Kreisjugendfeuerwehrwart Manuel Feick. Im Vordergrund steht dabei der Teamgeist, keine der Aufgaben kann von einem Teilnehmer alleine erledigt werden. Mal zwei, mal vier, mal sechs der jungen Leute einer Gruppe dürfen und müssen eine Aufgabe lösen.

So gesehen ist die Spritzenaufgabe wieder sehr praxisnah. »Alle vier Ziele hat keiner erwischt«, erklärt Feuerwehrmann Thomas Gärtner, der oben auf dem Korb mit dabei ist und alles im Auge behält. Die Spritze ist zwar in alle Richtungen frei beweglich, aber das rechte Fingerspitzengefühl erwirbt man sich nur durch Übung, und mit verbundenen Augen sind die Chancen, ein Ziel zu treffen, noch viel geringer.

Leichter ist es beim Spiel »Tabu der Feuerwehr«. Fachspezifische Begriffe müssen umschrieben und erraten werden. Die Jugendlichen aus Erzhausen schlagen sich recht gut und bekommen sechs Punkte auf ihrer Laufkarte eingetragen.
»Wir wollen unseren Nachwuchs motivieren«, erklärt der Pressesprecher der Kreisjugendfeuerwehr, Johannes Hucke. Verpackt in einen Wettbewerb geht es um die Stärkung der Teamkompetenz und des Wir-Gefühls. Die Feuerwehren im Kreis sorgen sich um ihren Nachwuchs, wollen ihn so erhalten und möglichst verstärken. Anne Bernhardt von der Jugendfeuerwehr Nieder-Ramstadt ist mit ihrer Teamkollegin Jenny Köbel erst vor ein paar Monaten bei der Feuerwehr eingestiegen. Die Fire-Games gefallen den beiden 15-Jährigen sehr gut, ein Grund, bei der Jugendfeuerwehr zu bleiben. Richtig toll findet diesen olympischen Tag auch Felix Schur aus Harpertshausen. Der Zwölfjährige ist schon vor zwei Jahren in die Jugendfeuerwehr seines Ortes eingetreten. »Ich wollte bei einer Übungsstunde mal schnuppern, und dann hat es mir gleich so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin«, erzählt der Junge. Die Übung mit dem Austritt von Gefahrgut hat ihm am besten gefallen, insgesamt fand er diesen Tag gut organisiert.

Während die Harpertshäuser ihren Chemieeinsatz schon hinter sich haben, sind die Jugendlichen aus Mosbach gerade im Einsatz. Bevor sie loslegen dürfen, müssen sie sich erst mal in weiße Anzüge aus dem Baumarkt kleiden. Vorbild sind die ausgebildeten Kräfte, die sich einer Gefahrgutstelle auch nur durch besondere Anzüge gut geschützt nähern dürfen. Es gibt ein wenig Gemaule, weil die Anzüge schon ziemlich kaputt sind, der Belastung dieses Tages waren sie nicht gewachsen.

An dieser Station müssen die jungen Feuerwehrleute dann in einen Tank klettern, die auslaufende gefährliche Flüssigkeit - am Samstag ist dies natürlich nur reines Leitungswasser -  auffangen und aus dem Container transportieren. Einige Schrauben sind festzuziehen, damit die Flüssigkeit nicht weiter austreten kann. Die Mosbacher haben ihre Aufgabe gut gelöst, auch wenn Sascha Eisele (zwölf Jahre) feststellt: »Die Anzüge waren nicht so toll, darin hat man noch mehr geschwitzt«.

Ziemlich warm fanden es auch die Jugendlichen von der Feuerwehr Langstadt. Fabian Albrecht, Michael Mohnhart und Felix Bellon hatte es das Zielspritzen ganz besonders angetan. Was Wunder, sie erwischten alle vier Ziele, vom Teleskopmast war es offensichtlich leichter als von der Drehleiter aus. Mit den Fire-Games sind sie insgesamt sehr zufrieden. »Die Organisation war toll, und das Essen hat gut geschmeckt«, sagt Bellon. Nur eines gefällt ihnen nicht so gut: Sie müssen nun noch rund eineinhalb Stunden auf die Siegerehrung warten.

Recht gut war insgesamt die Langstädter Nachwuchswehr. Sie ist auf dem neunten Platz gelandet, eine stolze Leistung bei insgesamt 46 teilnehmenden Jugendfeuerwehren. Die Babenhäuser haben sich insgesamt gut geschlagen, nach der Jugendfeuerwehr Nieder-Klingen (Platz 1) und Reinheim (Platz 2) erkämpfte sich die Jugendfeuerwehr Sickenhofen den dritten Platz. Ihr folgen auf Platz vier das Team aus Harpershausen und auf Platz fünf die Mannschaft Hergershausen, das punktgleich mit Altheim abschloss.

Quelle: Ulrike Bernauer, Main-Echo