Courage als Tabu – die Furcht vor der Wahrheit Ein Kommentar fordert laut Walther von La Roches Standardwerk „Einführung in den praktischen Journalismus“, das Herr Jörs aus dem FF kennen sollte, „eine publizistische Stellungnahme der Öffentlichkeit“ (auf ein strittiges Thema) heraus. Feuerwehr ist in keinem Fall strittig: Jeder kleine Junge kann Ihnen das bestätigen und auch „die Alten“ erinnern sich, wie viel Wert das Ehrenamt ist. Nur der allzu service-verwöhnte Mit-Dreißiger versteht (oft) nicht: Allein schon der gesunde Selbsterhaltungstrieb lässt das Verlangen nach unkomplizierter, professioneller und vor allem wohnortnaher Hilfe steigen. Im Folgenden möchten wir den Kommentar von Reinhard Jörs en Detaille widerlegen. Wie dem Artikel von Frau Corinna Kern zu entnehmen ist, sparen Freiwillige Feuerwehren, wie Sie den Löwenanteil des Landkreisgebietes abdecken, eine Menge Geld. Statt Steuereinnahmen zu verschleudern - wie Jörs andeutet – bringen die ehrenamtlichen Brandschützer jede Menge Kapital in die Kassen. Würde jede Arbeitsstunde vergütet, die ein Feuerwehrangehöriger leistet, gingen die leeren Kommunalkassen wohl endgültig den Bach runter. Zum Vergleich: Eine Feuerwehrkraft „kostet“ in der Einstiegs-Gehaltsklasse der Berufsfeuerwehr 1900€. Jeden Monat, plus beträchtliche Lohnnebenkosten. 2010 hatte allein das von Jörs zitierte Groß-Umstadt 139 Einsätze, 2166,25 Einsatzstunden. An einem Stück wären das mehr als drei Monate. Wer soll das bezahlen? „Unkosten“, die durch Material, Wartung und Fahrzeuge zustande kommen, sind da doch wohl eher der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Jeder Viertklässler wird Ihnen, Herr Jörs, das vorrechnen können. Doch Courage ist mehr: Feuerwehrleute setzten sich uneigennützig für das Wohl ihrer Mitmenschen ein, nehmen Unannehmlichkeiten und Entbehrungen in Kauf, um nur eines zu tun – um zu helfen. Dabei werden sie, die eine hoheitliche Aufgabe in kommunalem Auftrag durchführen, nur allzu oft mit ganz gewöhnlichen Vereinen verwechselt. Feuerwehr bedeutet jedoch: Unermüdlicher Einsatz, körperliche Fitness und Fachwissen. Das attestieren selbst die politischen Vertreter der Podiumsdiskussion zur Kreistagswahl (das Darmstädter Echo hatte berichtete), sie sprechen sogar von einer „zusätzlichen Berufsausbildung“ bei der Feuerwehr, die nicht hoch genug anerkennen zu sei. Trotzdem kommt die Botschaft bei (zu) wenigen Menschen an: Allzu oft heißt es dann statt „modernste feuerwehrtechnischer Ausbildung zum Wohle aller“ ersteinmal „Bier im Bauch, Wasser im Schlauch“. Obwohl diesen Vorwurf die versammelten Vertreter des Kreistages scharf zurückweisen, ist er da: In den Köpfen der Menschen, den Stammtischen der Nation. Bevor ein Feuerwehrangehöriger (unter Begleitung eines erfahrenen Kameraden / einer erfahrenen Kameradin) in den „Einsatz fahren“ darf, absolviert er oder sie einen vierwöchigen Lehrgang. Dieser beinhaltet ordnerweise Fachwissen und eine intensive Praxisausbildung mit dem Know-How der versiertesten Feuerwehr-Fachleute im Kreis. Und das ist erst der Beginn der Ausbildung. Das sollte zu denken geben: Eine starke Truppe – schlagkräftig und hochprofessionell. Wir brauchen keine Vorurteile und freuen uns über jeden, der mitmacht. Sie, Herr Jörs, nennen Feuerwehr ein „Freizeitangebot“ - vielleicht tuen sie damit den rund 5000 Menschen im Landkreis (und überhaupt) Unrecht, die sich ehrenamtlich in Behörden mit Sicherheitsaufgaben engagieren. Vielleicht. Gewiss ist jedoch, dass sie jedem einzelnen, der ehrenamtlichem Engagement – Mut & Sachverstand – sein Leben zu verdanken hat, Unrecht tun. Freiwillig, stark und fair. Das sind Attribute, die den Feuerwehrdienst in Wahrheit beschreiben. Wer eingeklemmt in einem Kraftfahrzeug sitzt, wartet auf sofortige Hilfe. Koste es, was es wolle – so schnell wie überhaupt möglich. Da zählt jede Sekunde. Schwinden die Feuerwehren, kann es schon mal dauern. Und wer will das schon? Hilfe kommt zu spät, gesetzliche Vorgaben sind nicht mehr einzuhalten. Das wäre das Ende des vorbildlichen Systems ehrenamtlicher Feuerwehren in Deutschland. Doch machen Sie sich keine Sorgen, Herr Jörs: Wenn Sie einmal unsere Hilfe brauchen; wir werden da sein. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, besonders gerne am eigenen Geburtstag, an Ostern oder zu Weihnachten.