Bericht
Manuel Feick ist seit 20 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dabei ist er erst 30 Jahre alt. Und schon seit 2003 ist er Kreisjugendfeuerwehrwart. Am Anfang seiner Amtszeit stand die Analyse: »Seit fünf Jahren rückläufige Zahlen« - dies wertete Feick damals als Alarmsignal. Als Konsequenz leitete er eine grundsätzliche Neustrukturierung der Jugendarbeit ein. Das »Event« rückte in den Blickpunkt, als begriffliche Hinwendung zu aktuellen Tendenzen der Jugendkultur, und da Feick gern in großen Maßstäben denkt, wird daraus seitdem immer wieder ein »Mega-Event«. Fast bescheiden nimmt sich da die Überschrift für die Kampagne aus: »Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr«.
»Bis dahin ist vielerorts die Entwicklung noch gar nicht so richtig erkannt worden«, erinnert sich der Initiator der Kampagne und meint damit nicht nur das Unterschätzen der zunehmenden Konkurrenz anderer Freizeitangebote, sondern auch das Ignorieren des sich deutlich abzeichnenden Strukturwandels in der Bevölkerung. Vor allem habe man die Mädchenarbeit in den Jugendwehren vernachlässigt, und auch über das Gewinnen von Einwanderern habe man sich zu wenig Gedanken gemacht.
Zahlen belegen Erfolge Vieles sollte mit dem Start der Kampagne »Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr« besser werden, und die ersten Zahlen belegen den Erfolg deutlich. Die Anfänge lesen sich oft noch etwas formalistisch: Einführung eines Geschäftsverteilungsplans, Einführung regelmäßiger Dienstversammlungen der Jugendfeuerwehrwarte, regelmäßige Informationsweitergabe an die politisch Verantwortlichen - aber da steht auch: Wechsel des KJF-Logos, neue Homepage - und das sind die Anfänge einer ganz neuen Image-Kampagne.
Strukturen, Fundamente, Gerüste Wer Feick kennt, den überrascht es nicht, dass da nicht munter losgewurschtelt, sondern erst einmal Strukturen gebaut, Fundamente gelegt und Gerüste gestellt worden sind. »Ich will so wenig wie möglich Fehler machen«, ist für ihn eine Art Lebensmotto. Schon in dieser frühen Phase gab’s erste positive Resonanz, besonders vom damaligen Landrat Alfred Jakoubek, selbst einst aktiver Blaurock, der Feuer und Flamme für Feicks Idee war. »In Jakoubek haben wir einen wichtigen Unterstützer gefunden, der auch Kontakte zu Sponsoren herstellte.« Die optische Initialzündung kam 2006, als fast 900 Jugendfeuerwehrleute das Logo ihrer Kreisorganisation nachgestellt haben. Das »Mega-Bild« ziert seitdem immer wieder Publikationen für die Jugend. Homepage renoviert, Medien für die Mitgliederwerbung entwickelt, Flyer, Präsentationen. Für die Jugendwarte vor Ort gab es Seminare, Leitfaden, Materialien. Die Mädchenarbeit wurde ausgebaut, der Blick auf Einwanderer geschärft.
Erfolgs-Indikator »Ab 2007 war die Wirkung in Mitgliederzahlen messbar«, erinnert sich Feick und wertet in einem Umfeld allgemein rückläufiger Zahlen Stagnation schon als Erfolg. Schon 2008 gab es erste Zuwächse und bei der Übernahme in die Einsatzabteilungen eine Rekordzahl. Das ist eigentlich der zentrale Erfolgs-Indikator: dass junge Leute nicht nur einen paar Jahre in der Jugendfeuerwehr verbringen, sondern dann auch bereit sind, Kopf und Kragen im ehrenamtlichen Einsatz für Hab und Gut, Leib und Leben ihrer Mitbürger zu riskieren. Und so ist diese »Ethik des Gemeinsinns« ein zentraler Punkt der Zukunftswerkstatt. Die Kampagne geht weiter, flankiert von Zeltlagern, Aktionen wie den Darmstadt-Dieburg-Fire-Games«, einer kürzeren und lauteren Präsentation, einem Modellprojekt »Freiwilliges soziales Jahr bei der Feuerwehr«, einem neuen Leitfaden zur Jugendarbeit - und worauf Manuel Feick besonders stolz sein darf - Beachtung weit über die Grenzen des Kreises und Hessens hinaus.
Nächstes Thema: Zivilcourage Manuel Feick hält sich aber nicht lang bei der Vergangenheit auf, vielmehr hat er schon wieder ein neues Thema für die Zukunftsschmiede entdeckt: die Zivilcourage.
Autor: Klaus Holdefehr mit freundlicher Genehmigung des Main Echo Artikel online lesen