15 Monate von der Idee bis zur Umsetzung eines bundesweiten Pilotprojektes, enormes Medieninteresse, eine hervorragende Zusammenarbeit mit zwei Ministerien und die Erkenntnis, eine Idee hessenweit einzuführen und besonders zu fördern: FSJ in der Feuerwehr, ein erster Erfahrungsbericht. Die Kreisjugendfeuerwehr Darmstadt-Dieburg beschäftigt sich seit Jahren sehr intensiv mit der Problematik sinkender Mitgliederzahlen. Die im Jahre 2004 gestartet Kampagne „Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr“ sorgte dabei für bundesweites Aufsehen und wurde mehrfach ausgezeichnet. Das Beste daran ist jedoch, dass die Mitgliederzahlen im Landkreis Darmstadt-Dieburg teilweise sogar wieder anstiegen. Ein Projekt, das also funktioniert. Teil III dieser Kampagne war die Umsetzung des „FSJ in der Feuerwehr“. Von der Idee bis zum Startschuss vergingen nur 15 Monate. Zwei Ministerien, der Landkreis Darmstadt-Dieburg, Landesfeuerwehrverband, Hessische Jugendfeuerwehr, Kreisfeuerwehrverband und Kreisjugendfeuerwehr Darmstadt-Dieburg, sowie der Träger, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Mainz (BDKJ) arbeiteten Hand in Hand um in dieser Kürze ein völlig neues Ressort für die Jugend/Feuerwehr zu erschließen. Sinn des Projektes war es zum einen Mitgliederzahlen zu steigern und zum anderen Führungskräfte von täglicher Verwaltungsarbeit zu entlasten um somit wieder mehr fachbezogene Arbeit zu ermöglichen. Das ehemalige Hessische Sozialministerium, das für das FSJ zuständig ist, prüfte die generelle Möglichkeit und bat den BDKJ als erfahrene Einrichtung im Bereich des FSJ, die Trägerschaft für dieses Projekt zu übernehmen. Dass Hessische Innenministerium und für Sport übernahm die Finanzierung von insgesamt fünf FSJ Stellen und der Landkreis Darmstadt-Dieburg (KBI Ralph Stühling und KJFW Manuel Feick regelte die Koordination vor Ort. Beide stellten auch den Grundsatzleitfaden zur Abwicklung des FSJ auf, der von den Ministerien geprüft und genehmigt wurde. Als Einsatzstellen wurden die Feuerwehren Dieburg, Pfungstadt, Griesheim, Weiterstadt und Seeheim festgelegt, da diese über hauptamtlichen Kräften (hauptamtliche Gerätewarte) verfügen. Somit konnte die notwendige Betreuung sichergestellt werden. Unter den 14 Bewerbern wurden 5 ausgewählt, die die erforderlichen Kriterien erfüllten. Unter den Bewerbern waren 3 bisher in der Jugendfeuerwehr aktiv und 2 gänzlich „feuerwehrfremd“. Am 03. September erfolgte dann der offizielle Startschuss. Die Staatsminister Bouffier und Lautenschläger, Landrat Jakoubek und sämtliche im Pilotprojekt eingebundene Bürgermeister, sowie eine Reihe weiter hochrangiger Vertreter/Innen aus Politik und Feuerwehr fanden sich in Pfungstadt ein um die ersten 5 „FSJler“ zu begrüßen. Das Ereignis wurde von 5(!) TV- und 4(!) Radioteams begleitet. Hinzukamen nicht nur regionale, sondern auch überregionale Tageszeitungen um über das Projekt zu berichten. Ab diesem Tag erfolgte ein Medieninteresse, das so absolut nicht erwartet wurde. Unzählige TV-Reportagen, Radiointerviews und (Fach-) Presse anfragen ereigneten sich in den Folgemonaten und eben bis heute nicht ab. Dieses Medieninteresse zog eine weitere Mitgliedergewinnung mit sich. Das Projekt ist so erfolgreich, dass die Hess. Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung die „besondere Förderung“ des FSJ in der Feuerwehr vertraglich festgeschrieben hat. Das Hess. Innenministerium verlängerte nun die Testphase um ein weiteres Jahr und trägt somit die Kosten. Im Folgenden werden nun die Bestandteile des FSJ im Detail vorgestellt: Tagesablauf der FSJler: Dieser gestaltet sich entsprechend den anfallenden Tätigkeiten der hauptamtlichen Gerätewarte. Um die Einsatzstelle und das große Spektrum „Feuerwehr“ kennen zu lernen sollen 50% des Tagesablaufes in der Zusammenarbeit mit dem hauptamtlichen Personal im Bereich der Geräte- und Fahrzeugpflege erfolgen. Die restlichen 50% beziehen sich auf Arbeiten mit der Jugendfeuerwehr, Vorbereitungen von Fahrten und Lagern, Ausflüge, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliedergewinnung usw. Arbeiten im Bereich der Verwaltung der Feuerwehr, Schreibdienste, Listen führen und Verwalten als Beispiel. Ein weiteres Feld ist der Bereich der Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen. Die FSJler sollen auch bei der Jugendfeuerwehr aktiv eingebunden werden, daher beginnt der Arbeitstag an dem Tag an dem die Gruppenstunde der Jugendfeuerwehr stattfindet, erst später am Vormittag. Die Wochenarbeitszeit beträgt 38,5 Stunden und richtet sich neben dem Tag der Gruppenstunde der Jugendfeuerwehr, nach denen des hauptamtlichen Personals. Bildungstage: Während des 12-monatigen FSJ sind insgesamt 25 Bildungstage zu absolvieren die beim Träger erfolgen und von diesem organisiert werden. Diese erfolgen jeweils von montags bis freitags. Feuerwehrtechnische Ausbildung: Die 5 FSJler haben inzwischen alle ihren Grundlehrgang abgelegt. Teilweise wurde sogar der Maschinisten, Sprechfunk und Atemschutzgeräteträgerlehrgang erfolgreich abgeschlossen. Verpflichtend ist lediglich der Grundlehrgang innerhalb der FSJ. Jugendfeuerwehr: Der Nutzen für die Jugendfeuerwehr ist besonders hoch. Verwaltungsarbeiten können nun teilweise hauptamtlich erledigt werden -Einladungen zu Sitzungen, Recherche über das Internet für Freizeiten, Personal bei Zeltlager und bei der wöchentlichen Ausbildung sind nut Teile der Nutzbarkeit. Brandschutzerziehung: In Abhängigkeit der erforderlichen Ausbildung und des Kenntnisstandes können die FSJler auch hier sinnvoll und teilweise sogar alleine eingesetzt werden. In Weiterstadt zum Beispiel unterrichtete der FSJler Timon Stiller eine Grundschul-AG mehrer Monate in diesem Bereich. Einsatzdienst: Nach Ablegen des Grundlehrgangs und der Einhaltung weiterer entsprechender Vorschriften sind die FSJler inzwischen alle bei Einsätzen aktiv eingebunden und verstärken somit das Tagespersonal. Verwaltungsaufwand für die Einsatzstellen: Dieser gestaltet sich gering. Es ist lediglich der übliche Aufwand für die Personalabteilung eines kommunalen Arbeitnehmers zu verzeichnen (Arbeitsvertrag abschließen, Urlaubs- und Krankheitsregelung, Kostenabrechnung). Die Führungskräfte der Einsatzstellen müssen natürlich den FSJler entsprechen anweisen und einweisen, ebenfalls ist eine Begleitung notwendig, die sich jedoch relativiert. Kosten: Eine FSJ-Stelle kostet pro Jahr ca. 9.200 Euro. Stellt man diese Kosten dem Nutzen gegenüber relativieren sich diese sehr rasch. Bei der Fortschreibung von Bedarfs- und Entwicklungsplänen könnte hier eine entsprechende Beschlussfassung herbeigeführt werden zur Schaffung von FSJ-Stellen. Mindestanforderung zur Teilnahme: Im Pilotprojekt muss der FSJler mindestens 18 Jahre alt sein, geistig und körperlich geeignet sein zum Feuerwehrdienst und die Bereitschaft zum Ablegen des Grundlehrgangs zeigen. Wissenschaftliche Ergebnisse: Das gesamte Projekt wurde vom Institut für soziale Infrastruktur (ISIS) wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Hier fand eine Reihe von Telefoninterviews statt, zum einen bei den „Anleitern“ (hauptamtliche Kräfte), als auch bei den FSJlern selbst. Diese Ergebnisse weisen eine deutliche Verbesserung (aller Anfang ist schwer) bishin zur deutlich erkennbaren Kostennutzungsrechnung auf, was durch die Einsatzstellen bestätigt wird. Erfahrungen: Generell gibt es für das FSJ in der Feuerwehr zwei grundsätzliche Wege die im Landkreis Darmstadt-Dieburg bei de erprobt wurden. Variante A: Wird eine Person eingestellt, die bisher nicht in der Feuerwehr aktiv ist gestaltet sich der Betreuungsaufwand natürlich relativ hoch. Dennoch besteht hier die Möglichkeit sich die Meinung und den Blick eines „Außenstehenden“ in die Feuerwehr hereinzuholen um somit neue Aspekte und Auffassungen kennen zu lernen. Weiter ist die Wahrscheinlichkeit einer Bindung bzw. eines festen Eintritts in die Feuerwehr nach einem Jahr beruflicher Tätigkeit, sicherlich als sehr hoch einzuschätzen. Es können also neue Aspekte eingebracht und Mitgliederzahlen gesteigert werden. Variante B: Es wird eine Person eingestellt, die bereits in der Jugend/Feuerwehr aktiv ist. Hier reduziert sich die Einarbeitungszeit deutlich und viele Aufgaben können schneller und erstmal genauer erledigt werden, da bereits Fachwissen und Vorkenntnisse vorhanden sind. Auch steht die Person in der i.d.R. sofort für den Einsatzdienst zur Verfügung. Mitgliederzahlen steigern und einen externen Blick im Sinne einer zukunftsgerechten Strukturanalyse ist bei dieser Variante jedoch nicht möglich. Sinnvoll ist generell die Einstellung einer Person, die am Wohnort selbst das FSJ in der Feuerwehr absolvieren kann. Generell ist aber auch eine Einstellung frei vom Wohnort möglich. Hierbei sollte jedoch versucht werden, einen Kontakt mit der Heimatfeuerwehr des FSJlers sehr schnell herzustellen. Das FSJ kann durchaus auch bei Feuerwehren angeboten werden, die keine Hauptamtlichen Kräfte haben. Hier ist eine stärkere Einbindung im Bereich der Fachbereiche Sicherheit und Ordnung (Ordnungsamt) denkbar und auch möglich. Denn wegen eines längeren Ausfalls von Personal, krankheitsbedingt, absolvierte ein FSJler mehrere Wochen seines FSJs im Rathaus. Er bereitete sich hier umfassend auf den Grundlehrgang vor, den er auch bestand und leistete Verwaltungsarbeit für die Jugendfeuerwehr (Vorbereitung eines Jubiläums). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Einbindung einer „Vermittlerposition“ auf Kreisebene zwingend notwendig ist. Diese muss zwischen Träger und Ministerien, bzw. zwischen Einsatzstellen und FSJlern aktiv mitgestalten und steuern. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg hat dies der Kreisjugendfeuerwehrwart übernommen. Es hat sich gezeigt, dass gerade von hier aus die Interessen des Projektes und die Vorgaben der Ministerien am besten begleitet und sichergestellt werden können und Wege durchaus kurz gehalten wurden konnten. Jedoch ist auch an dieser Stelle ist der Verwaltungsaufwand -schon bei nur 5 Stellen- enorm hoch. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat hierfür innerhalb der Kreisverwaltung eine Lösung geschaffen. Wie soll das FSJ in der Zukunft ablaufen: Die Lenkungsgruppe (zusammengesetzt aus HMdIS, Landkreis Darmstadt-Dieburg, LFV, HJF und BDKJ) hat nach Auswertung aller Erfahrungen und der Wochenberichte der FSJler festgestellt, dass eine raschere Einbindung, gepaart mit entsprechendem Grundwissen notwendig ist. Ab dem Jahr 2010 (Begin des FSJ ist jeweils der 1. September) soll daher gleich in der ersten Woche eine Einführung stattfinden im Bereich des Feuerwehrtechnischen Fachwissens. Danach sollen sich die ersten fünf Bildungstage am Jugendfeuerwehrausbildungszentrum anschließen. Nach weiteren 2-3 Wochen Einarbeitung an den jeweiligen Einsatzstellen soll dann hessenweit ein FSJ-Grundlehrgang an der HLFS stattfinden. Somit wäre eine raschere und noch bessere Einbindung der FSJler möglich. Die Chance: Eine überregionale Tageszeitung betitelte das Projekt als „innovative Pionierarbeit“. Der Landesfeuerwehrverband ist inzwischen als Träger anerkannt. Mehrere Landkreise haben bereits Informationen und eine gezielte Projektvorstellung angefragt. Das FSJ in der Feuerwehr ist eine große Chance für alle Bereiche der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr – die man nutzen sollte, denn bei der Ausschreibung zum zweiten FSJ-Jahr gab es auf nur eine Stellenausschreibung 42 Bewerbungen. Davon 31 von jungen Menschen, die bisher nicht in der Feuerwehr aktiv waren oder sind! Auch nicht zu vergessen ist, dass die FSJler auch in anderen Bereichen einsetzbar sind. In Darmstadt-Dieburg halfen sie u.a. aktiv bei den Vorbereitungen zum diesjährigen Kreisjugendfeuerwehrtag mit. Auskunft zum Projekt: Mehr Infos zum Projekt gibt es im Internet unter www.kjf-dadi.de und beim Landkreis Darmstadt-Dieburg - Bürgerbeauftragter Manuel Feick Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Telefon (0 61 51) 881 – 1011 Text und Bilder: Manuel Feick